Ein Auszug über Liebe, Wahrheit und Freiheit in Zeiten des Scheins.
Liebe, Wahrheit und Freiheit in Zeiten des Scheins
Es gibt einen Moment im Leben, in dem alles, was uns bisher getragen zu haben schien, seine Brüchigkeit zeigt.
Was wir für Identität hielten, beginnt zu brechen. Was wir Sicherheit nannten, wird zu einem leeren Zimmer. Was wir Liebe nannten, erweist sich bisweilen als Abhängigkeit, Angst, Bedürfnis nach Bestätigung oder blosse Gewohnheit. Dieser Augenblick wird oft als Krise erlebt, in Wahrheit ist er eine Schwelle.
Das Trugbild ist nicht nur eine äussere Lüge, die uns jemand aufdrängt. Es ist auch die Art, wie wir uns selbst erzählen, wer wir seien und was wir angeblich niemals verlieren dürften. Solange wir darin gefangen sind, verwechseln wir Spiegelung mit Substanz.
Jenseits des Trugbilds zu treten heisst nicht, die Welt zu verachten oder Beziehungen zu leugnen. Es bedeutet, von den Formen nicht länger das zu verlangen, was nur die innere Wahrheit schenken kann.
Wahrheit lässt sich nicht erklären; sie muss erfahren werden.
Eine der grossen Verwirrungen unserer Zeit besteht darin, mit Worten verstehen zu wollen, was nur durch Erfahrung erkannt werden kann. Manche Worte leeren sich, wenn sie dauernd wiederholt werden, ohne verkörpert zu sein.
Wahrheit lässt sich nicht wie ein fertiges Konzept weiterreichen. Sie ist eine Erfahrung, die den Blick neu ordnet. Wenn jemand eine menschliche Wahrheit wirklich gelebt hat, beginnt seine Gegenwart sie zu vermitteln, selbst im Schweigen.
Wenn das Leben keine Theorie mehr ist, beginnt es sich von innen zu ordnen.
Die Wahrheit hinter jeder Erscheinung braucht kein Schauspiel.
Wir sind nicht die Spiegelungen, denen wir hinterherlaufen, sondern das Wesen, das sie fallen sehen kann.
Klarheit macht nicht immer Lärm; manchmal kommt sie als nüchterner Frieden.
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